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Greppin und der Greppiner Klinker

Fensterverzierung aus Greppiner Klinker
Fensterverzierung aus Greppiner Klinker
Quelle: R. Bayer
Greppin ist ein kleines Örtchen zwischen Wolfen und Bitterfeld.


Die meisten von uns kennen es nur, wenn unser Zug auf der Fahrt von Dessau nach Leipzig mitten durch die Gemeinde eilt. Aber heute steigen wir aus und sehen uns die Ortschaft näher an.

Greppin wurde im Jahre 1390 zum ersten Male urkundlich erwähnt. Lange Zeit blieb es ein kleiner Flecken mit bäuerlichen Wirtschaften.
Jedoch dann fand man ganz in der Nähe Braunkohle. Mit der Entwicklung der Kohleförderung und -verarbeitung fanden viele Menschen eine neue Arbeit. Aus dem Bauerndorf wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine Siedlung von Bergleuten.
Sie arbeiteten vor allem in den Gruben "Greppin" und "Johannes" am Rande des Dorfes.

1859 erhielt die Region ihre Eisenbahnlinie, die westlich an Greppin vorbeiführte. Nun konnte die Kohle viel wirtschaftlicher bis nach Dessau und Leipzig, später auch nach Berlin transportiert werden.

Der günstige Zugang zu dem damals sehr wichtigen Brennstoff Braunkohle ließ weitere Betriebe entstehen, die auf eine große Menge an Heizmaterial angewiesen waren. So wurde an der Greppiner Waldstraße eine Ziegelei gegründet. Wenig später entstanden die "Greppiner Werken", die bald europaweite Bedeutung erlangen durften.

In diesen Werken wurde aus einheimischem Ton der sogenannte Greppiner Klinker gebrannt. Aus den gelben Mauersteine wurden nicht nur Häuser in der näheren Umgebung errichtet. Doch nicht nur schlichte Klinkersteine wurden hier gebrannt, bald entstanden hier auch wunderschöne Zierelemente für Gebäude und überlebensgroße Statuen, die wichtige Bauwerke schmücken sollten. Bis nach Italien wurden die Produkte exportiert. So schmücken z.B. den Hauptbahnhof von Rom Klinkerterakotten aus Greppin.

In Greppin selbst sind die Traubenmotive an der Gaststätte "Zur Erholung" ein bleibendes Zeugnis für den hohen Stand des Kunsthandwerkes zu der damaligen Zeit.

Kurz nach der Jahrhundertwende wurden in Greppin die evangelische Kirche und das erste Gebäude der Volksschule gebaut.

Aber auch andere energieintensive Industriezweige entstanden im Umfeld von Greppin. So entwickelte sich die chemische Industrie. Viele Arbeitskräfte aus ganz Deutschland siedelten sich in Greppin an. Der Ort wuchs beständig und überschritt bald die Eisenbahnlinie. Es entstand das "neue Dorf, das ebenfalls eine Kirche (diesmal eine katholische Kirche) und eine Schule erhielt.

In den 30er Jahren wurde Greppin nochmals erweitert. Es entstanden die Randsiedlung und die Gagfa- Siedlung.
Der Ort wurde so groß und finanziell leistungsstark, dass er sich zahlreiche neue öffentliche Gebäude leisten konnte. In dieser zeit wurden die Turnhalle, das Rathaus und das Feuerwehrdepot errichtet. Auch den Luxus von eigenen öffentlichen Grünanlagen konnte man sich nun leisten.
In der Zeit des Zweiten Weltkrieges blieb Greppin glücklicherweise von Zerstörungen weitgehend verschont.

Bis zum Anfang der 90er Jahre bestimmten Braunkohlenbergbau und chemische Industrie das Bild der Region. Nach der Aufgabe der ausgekohlten Tagebaue und der Schließung vieler Industriebetriebe wuchs die Arbeitslosigkeit in Greppin und Umgebung erschreckend an. Viele, vor allem junge Menschen, verließen ihre Heimat um der Arbeit hinterher zu ziehen.

Erst in jüngster Zeit konnten durch die Ansiedlung neuer und moderner Chemiebetriebe, wie Bayer und Heraeus (uarzglaswerk) neue Arbeitsmöglichkeiten für die Greppiner geschaffen werden.
 

Galerie : Greppiner Klinker
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