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Das mittelalterliche Eilenburg

Es war der 29. Juli 961. Würdevoll glitt die Feder über das Pergament.


Nun noch das königliche Siegel, fertig war die Schenkungsurkunde. König Otto I. lehnte sich zufrieden zurück. Soeben hatte er die Burg Ilburg mit etlichen Ländereien an der Ostgrenze seines Reiches einem seiner Getreuen aus dem Geschlecht der Wettiner übereignet.
Die Region entlang der Mulde erschien Otto I. politisch besonders wichtig. Er musste sie als einen Schutzwall gegen die heidnischen Slawen, insbesondere gegen die Sorben, ausbauen. Nur zuverlässige und wackere Adelige erhielten hier ihre Lehen.

Die Herren der Burg, die "Grafen zu Ilburg“ enttäuschten ihre Landesherren nicht. Als Zeichen des Vertrauens wurden sie noch vor der Jahrtausendwende zu Markgrafen der Niederlausitz ernannt. Im Jahre 1089 kam dann auch noch die Mark Meißen hinzu. Über dieses große, zusammenhängende Territorium herrschte Heinrich I. zu Ilburg. Er avancierte damit zum Begründer des wettinischen Territorialstaates, dem Vorgänger des heutigen Freistaates Sachsen.
Rund um die Burg begann ein reger wirtschaftlicher Aufschwung. Vor allem Flamen aus dem Westen siedelten sich in den fruchtbaren Niederungen am Fuße der Ilburg an. Im Schutz der imposanten Burganlage entstand bald auf einer ovalen Fläche von 600 x 300 Metern eine planmäßige Stadtanlage. Beeindruckend für die damalige Zeit war ihr gitterförmiges Straßennetz.
In west-östlicher Richtung durchschnitten Handelswege die Stadt und prägten ihr Bild. Durchreisende Kaufleute machten hier Halt und verkauften ihre Waren. Bald erweiterte sich das Stadtzentrum zu einem großen Straßenmarkt.

Die geschichtlichen Ereignisse der nächsten rund 250 Jahre machten die strategisch wichtige Position der Ilburg jedoch hinfällig. Längst drohte von den Sorben keine Gefahr mehr. Die Grafen und ihr Gefolge zogen auf eine Burg, die ihnen mehr Komfort bieten konnte, als die nach sehr praktischen Gesichtspunkten eingerichtete Ilburg. Das nutzlos gewordene Bollwerk wurde zunächst dem Verfall preisgegeben. Im Jahre 1400 verkauften die Herren zu Ilburg dann die Überreste ihrer Burg und die dazu gehörende Stadt an die Markgrafen zu Meißen. Diese wußten um die Bedeutung des Sitzes ihrer Vorfahren und ließen die Ilburg als Verwaltungssitz des Amtes Eilenburg in neuem Glanz erstrahlen.
Der immer noch wirtschaftlich gut dastehenden Stadt wurden Reihe bedeutender Privilegien verliehen. Dadurch wurden die Handwerker, Kaufleute und vor allem das aufstrebende Bürgertum in ihren wirtschaftlichen und politischen Positionen erheblich gestärkt. Einen besonderen Ruf erlangte zu damaliger Zeit das Brauereigewerbe. Nicht nur, dass die Braumeister fleißig und die Kaufleute wirtschaftlich geschickt waren, auch das gute Wasser und die riesigen Bergkeller zur Lagerung verhalfen den Eilenburgern zu einem besonders schmackhaften Bier.
Sogar Martin Luther, der wahrlich kein Kostverächter war, hielt sich gern und oft in dieser wohlhabenden Stadt auf. Er bezeichnete sie sogar einmal recht launig als "gesegnete Schmalzgrube".
Viele repräsentative Bauten in der Stadt zeugen bis heute vom Stolz und Reichtum der Eilenburger Bürger.
Erst der Dreißigjährige Krieg, der auch über diesen Landstrich hinweg tobte, setzte dem blühenden Leben der Stadt ein jähes Ende.